Systemtheorie – ein anderer Blick auf die Welt

Von Reto Kessler
Mit Systemtheorie kann man anders auf die Welt schauen. Doch was soll damit so anders sein?
Systemtheorie

Die Systemtheorie von Niklas Luhmann betrachtet ein System nicht als etwas, das sich aus Teilen zu etwas Ganzem zusammensetzt, sondern als etwas, was sich von seiner Umwelt abgrenzt. Die Differenz zwischen System und Umwelt ist ein grundlegendes Konzept (und ersetzt die traditionelle Betrachtung von Teil und Ganzem). Das hat Folgen…

Die Unterscheidung von System und Umwelt

1️⃣ Die Unterscheidung System/Umwelt ist notwendig, damit ein System «vorliegt». Ohne Umwelt (oder besser gesagt ohne Differenz von System und Umwelt) kein System. Man spricht darum auch von der «Einheit der Differenz». Das System ist System und Umwelt. Klingt ungewohnt?

2️⃣ Die Differenz entsteht durch Beobachtung. Jemand macht die Unterscheidung zwischen System und Umwelt. Darum gibt es systemtheoretisch keinen beobachterunabhängigen (und damit objektiven) Standpunkt. Beobachtung erfolgt aus dem System heraus (auf das System).

3️⃣ Beobachtung ist eine Selektion durch die Komplexität reduziert wird (weil durch Selektion der Fokus auf bestimmte Aspekte gelenkt und andere ausblendet werden). Der Beobachter blendet aus, dass er eine Unterscheidung macht (die auch anders möglich sein könnte).

Systemtheorie: Sehen was nicht gesehen wird

Das wirkt sich auf die Arbeit mit Systemen (und ihre Umwelt 😁) aus, sei es mit Menschen, Teams oder Organisationen. Die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was ausgeblendet wird, ist Teil der beraterischen Tätigkeit, im Coaching, in der Supervision oder der Organisationsberatung:

  • Welche Unterscheidungen machen Coachees?
  • Wie beobachten Teams ihre Umwelt?
  • Und welche Muster, Funktionen, Strukturen entwickeln, konstruieren, gestalten sich in Systemen aufgrund ihrer Selbstbeobachtung?

In unserm Seminar «Systemtheorie – ein anderer Blick auf die Welt» geht es um Überlegungen wie diese, um Auswirkungen auf die Arbeit in und mit Systemen und wie man sich all das zu Nutzen machen kann. Annie Kummer Wyss und Roger Romano tauchen mit den Teilnehmenden in die Systemtheorie ein und wagen einen anderen Blick auf die Welt. Dabei wird gespielt, gebaut, und vor allem beobachtet. Denn das Spiel bespielt die Spieler*innen.

Zum Weiterlesen: «Prämissen einer systemtheoretisch fundierten Organisationsberatung» von Torsten Groth.

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