Wenn Scham nicht sein darf
Der Soziologe und Schamforscher Stephan Marks war zu Gast im Podcast «Hotel Matze». Im Gespräch mit dem, wie immer gut vorbereiteten und aufmerksamen Matze Hielscher entstand eine überaus informative Podcast-Folge zu Schamgefühlen, einem Thema, dem wir uns nicht nur aus persönlichem, sondern auch aus professionellem und vor allem auch gesellschaftlichen interesse widmen sollten. Dringende Hörempfehlung!
Zu hören gibt es die Folge z. B. auf Youtube, Spotify oder Apple.
Es geht darin z. B. darum, welche verschiedenen Arten von Scham man unterscheiden kann:
- Anerkennungsscham: Wenn wir nicht gesehen werden
- Intimitätsscham: Wenn persönliche Grenzen verletzt werden
- Peinlichkeitsscham: Was denken die Leute?
- Gewissensscham: Wenn ich in den Spiegel blicke und merke, ich habe meine eigenen Werte verletzt. So jemand möchte ich nicht sein!
Im Gespräche werden Ursachen und Auswirkungen von Schamgefühlen aufgezeigt. Industrie und Populisten nutzen Schamgefühle gezielt und instrumentalisieren sie geschickt.
Wenn Scham nicht sein darf
Stephan Marks macht deutlich, wie dysfunktional und gefährlich es sein kann, wenn Scham nicht sein darf. Der Satz «Du brauchst dich nicht zu schämen» ist in diesem Sinne oft alles andere als hilfreich, weil so Menschen mit ihren Schamgefühlen alleingelassen werden. Und wenn Schamgefühle nicht sein dürfen, führt das oft dazu, dass Menschen andere beschämen. Ein Teufelskreis, den es zu unterbrechen gilt: Indem wir für würdevolle Organisationen (z. B. Schulen, Pflegeeinrichtungen oder Gefängnisse) sorgen, in denen Menschen nicht beschämt werden. Scham nicht tabuisieren: Die Menschen in Kontak bringen mit der eigenen Scham: «Willkommen, hier darfst Du sein mit deiner Scham».
Das können wir nur, wenn wir mit unserer eigenen Scham sein dürfen und uns mit ihr auseinandersetzen.