Beratungsprozesse entstehen in Co-Kreation

Von Reto Kessler
Beratung, wie wir sie verstehen, entsteht in Co-Kreation von Kunden und Beratenden. Welche Konsequenzen das hat, darum geht es in diesem Beitrag.
Beratung entsteht in Co-Kreation

Woran erkennt man gelingende Beratungsprozesse?

Auf den ersten Blick ist die Frage einfach zu beantworten: «Wenn die Kunden zufrieden sind». Doch Zufriedenheit ist hier eine unsichere Messgrösse. Kunden sind oft zufrieden, weil die für sie unangenehmen Themen erfolgreich umschifft wurden. Das führt zwar zu Erleichterung, kann aber zugleich ein Zeichen dafür sein, dass keine wirkliche Veränderung stattfindet. Der Wunsch nach Stagnation ist selten der Grund, warum sich jemand Beratung wünscht. Umgekehrt ist auch Veränderung alleine kein Zeichen für gelingende Beratung. Sie muss ja schon auch im Sinne des Kunden sein.

Eine zweite Möglichkeit ist, sich einer Antwort auf die oben genannte zu nähern führt über Verantwortung: Wer trägt im Veränderungsprozess welche Verantwortung. Doch was heisst Verantwortung in einem Beratungsansatz, der die Eigenverantwortung der Kunden konsequent hochhält? Verantwortung ist hier aufgeteilt: Die Kunden tragen Themen- und Ergebnisverantwortung, die systemischen Berater:innen Prozess- und Methodenverantwortung. Heisst: Beratungsprozesse und ihre Wirkung entstehen in Zusammenarbeit, also in Co-Kreation.

Hier lohnt es sich noch einmal genauer hinzuschauen: Denn Co-Kreation ist Arbeit auf Augenhöhe.

Was passiert, wenn sich Berater:innen für den Erfolg oder das Wohlergehen ihrer Kunden verantwortlich fühlen? Naheliegend ist dann der Impuls, helfen zu wollen, zu schützen und zu «empowern».

Die Gefahr ist gross, dass sich dies ungünstig auf die Interaktion auswirkt. Denn helfen zu wollen setzt voraus, dass man dem Gegenüber Hilfsbedürftigkeit zuschreibt und sich selbst die notwendigen Ressourcen, die dem Kunden fehlen. Das Bild von «fähig trifft unfähig» von Retter und zu Rettenden ist schwer mit der Idee von Augenhöhe in Einklang zu bringen.

Wenn man den Impuls spürt, helfen zu wollen oder sich als Expertin oder Experte entwirft, empfiehlt sich daher dringend, sich die möglichen Risiken und Nebenwirkungen bewusst zu machen.

Was können Berater:innen tun, um dieser Verführung sich als Retter:in zu positionieren nicht auf den Leim zu gehen?

Dieser Frage gehen Claudia Seefeldt und Hansjürg Lusti in unserem Seminar «Co-Kreation von wirksamen Beratungsprozessen» nach.

Natürlich entstehen auch hier die Antworten in Co-Kreation mit den Teilnehmenden. So viel sei schon verraten: Es ist möglich, sich als Berater:in eine günstige Ausgangslage für gelingende Beratung zu schaffen. Dazu hilft zum Beispiel:

👉 Klarheit zum eigenen Beratungsverständnis (oder besser zu Beratungsverständnissen?).
👉 die Kompetenz ein «genügen klare» Auftragsklärung durchzuführen (man muss nicht alles verstehen, aber wissen, was der Auftrag ist und ob man ihn annehmen möchte.
👉 Eine (selbst-)bewusste Rollendefinition, die strukturelle Eigenständigkeit sowie die Offenheit schafft, in spannungsreichen Verhältnissen allparteilich und ergebnisoffen zu agieren.

Wie stellst Du sicher, dass «Beratung auf Augenhöhe» gelingt?