Produktiver Umgang mit Konflikten

Von Reto Kessler
Jeder hat sie, keiner mag sie: Konflikte. Woher kommt es eigentlich, dass man etwas stàndig hat, wenn man es nicht mag? Und was wäre ein produktiver(er) Umgang mit Konflikten?
Produktiver Umgang mit Konflikt

Konflikte, Streit und Konfrontationen begegnen uns, wohin wir schauen. Sie vollziehen sich sowohl auf der Weltbühne der Politik als auch in der Beziehung in der Familie, der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz. Jede:r scheint irgendwo, mit irgendwem zu irgendwas im Konflikt zu sein.

In Konflikten geht um Werte, Identität und Zugehörigkeit, Ungerechtigkeiten, Zuständigkeiten u. v. m. So unterschiedlich sie gelagert sein mögen, eines haben alle Konflikte gemeinsam: Sie involvieren uns, sie brauchen unsere Energie, sie zwingen uns, uns zu positionieren. Darum mag sie niemand.

Aber wie kann das sein, dass man etwas, ständig hat das man nicht mag?

Immer die anderen

1️⃣ Eine mögliche Erklärung wäre: Es muss an den anderen liegen: «Eigentlich wäre es ja ganz friedlich, wären da nicht die anderen, die… ». Dass diese Argumentation nicht greift wird deutlich, wenn man sich bewusst macht, dass man selbst «die anderen» ist.

Und nachzugeben oder dem Konflikt auszuweichen wäre eine mögliche Herangehensweise. Das wird häufiger praktiziert als man denkt. Dem Gegner vorzuwerfen, er oder sie ertrage keinen Widerspruch, sich als Opfer der Cancel-Culture zu stilisieren können Ausdruck von Konfliktscheuheit sein. Man geht der (notwendigen?) Auseinandersetzung mit den Perspektiven und Argumenten des Gegenübers aus dem Weg.

Konflikte stört das nicht. Solange die tieferliegenden Strukturen eines Konflikts nicht blossgelegt, die Muster, die ihn am Leben halten nicht wahrgenommen und beschrieben werden, ist ein produktiver Umgang damit kaum möglich.

Was Konflikte auszeichnet ist u. a., dass sie nicht einfach aufgelöst werden können. Konflikte erfordern meist grundlegende Veränderung: Eine bestehende (und nicht mehr funktionierende) Ordnung muss destabilisiert werden oder eine bestehende Unordnung muss eine neue (für den Moment) funktionierende Ordnung finden.

Konflikte regulieren

2️⃣ Das führt zur zweiten möglichen Erklärung warum wir ständig Konflikte haben, obwohl wir sie nicht mögen: Konflikte sind notwendig und unumgänglich. Sie zeigen auf, wo Klärungsbedarf besteht. Sie sind der Antrieb für persönlichen, organisationalen und gesellschaftlichen Wandel. Konfliktfrei zu sein wäre ein sicheres Zeichen für Stagnation.

Man kommt also um Konflikte nicht herum. Heisst im Umkehrschluss: Man muss sich damit arrangieren. Anders gesagt: Das Leben wird einfacher, wenn man einen guten Umgang mit Konflikten entwickeln kann. Zum Glück geht das.

Doch was ist ein «guter Umgang mit Konflikten»? Wir meinen: wenn man die Freiheit hat zu entscheiden, wie man mit Konflikten umgeht. Regulieren ist hier das Schlüsselwort. Dazu muss man:

👉 Konfliktmuster erkennen und beschreiben können

👉 Verstehen, welche Freiheitsgrade es in der Reaktion darauf gibt (z. B. Konflikte beruhigen und schüren können)

👉 Sich die Freiheitsgrade erschliessen

Lernen kann man das z. B. in «Konflikte verstehen und regulieren» mit Adriana Burgstaller und Hansjürg Lusti