Reinventing Leadership: Entscheiden, weil die Situation unklar ist (Teil 1/4)

Von Reto Kessler
Reinventing Leadership? In dieser Mini-Serie schauen wir uns vier Spannungsfelder an, die Führung anspruchsvoll und unwahrscheinlich machen. Spannungsfelder sind keine Probleme, die es zu lösen gilt, sondern Realitäten, mit denen umgegangen werden muss.
Führung neu denken

Entscheidungsfindung in unsicheren Zeiten: Warum Daten allein nicht reichen

Wenn etwas entschieden werden kann, muss oder soll, fehlen immer relevante Informationen. Wo die Fakten eindeutig sind, wird nicht entschieden. Dann wird berechnet. Eine Entscheidung wird erst dort zur Entscheidung, wo mehrere Wege offen stehen und keiner davon durch Daten oder Routinen allein gedeckt ist.

Das wissen wir nur zu gut. Die Verführung ist jedoch heutzutage gross, zu versuchen, doch noch irgendwie an die hoffentlich Klarheit bringenden Infos zu kommen: Noch die eine Marktanalyse? Noch schnell eine Marktforschung? A-B-Testing, Big Data, Nutzwertanalyse, Trendforschung oder eben KI befragen?

Kann man alles machen. Doch ob wir richtig entschieden (oder gerechnet?) haben, zeigt uns immer erst die Zukunft. Und die bleibt letztlich unbekannt.

Führung in Unsicherheit: Vom Problemlöser zum Gestalter

Für Führung bedeutet das: Unsicherheit ist nicht das Problem, das vor der Entscheidung gelöst werden muss. Unsicherheit ist Voraussetzung dafür, dass es Führung braucht. Judith Muster definiert Führung auf den Punkt: Wenn in einer Situation mit hoher Unsicherheit jemand einen Vorschlag machen kann, dem andere folgen, findet Führung statt.

Systemische Führung verstehen: Warum Kompetenzen allein nicht genügen

Daraus lässt sich vieles ableiten. Zum Beispiel:

  • Führen heisst, einen tragfähigen Umgang mit Unsicherheit zu finden.
  • Weil Führung nur stattfindet, wenn es Führende und Folgende gibt, ist Führen eine Systemleistung.
  • Die Erwartung, dass einzelne Personen die Komplexität einer ganzen Organisation beherrschen können, führt zu Überforderung und Burnout.
  • Die oft fokussierten «individuellen Führungskompetenzen» stossen zwangsläufig an Grenzen (z. B. wenn Strukturen dysfunktional sind).
  • Wer die Welt in gute und schlechte Führung einteilt, vergibt die Chance, systemische Abhängigkeiten zu erkennen und zu nutzen.

Führungskräfteentwicklung neu denken: Das Programm «Reinventing Leadership»

Um Perspektiven wie diese geht es in unserem Programm zur Führungskräfteentwicklung «Reinventing Leadership». Führung neu zu denken heisst nicht, alles infrage zu stellen. Sondern zu unterscheiden, was Wirkung entfaltet und was nicht.

Foto zum Beitrag von James Wainscoat (@tumbao1949) auf Unsplash