Embodied Coaching: Körpersprache ist kein Echo sondern Resonanz

Von Reto Kessler
Warum Körpersprache im Coaching nicht «gelesen» wird.

Im Coaching in Präsenz zeigen wir uns nicht nur mit unseren Gedanken, sondern mit dem ganzen Körper. Haltung, Mimik, Stimme und Tempo verraten Gemütszustände und Beziehungsimpulse, oft lange bevor sie ausgesprochen werden. Doch was heisst es eigentlich, Körpersprache zu «verstehen»?

Körpersprache ist weder objektiv noch universal

Der Gedanke liegt nahe, Körpersprache wie einen Code zu entschlüsseln: verschränkte Arme bedeuten Abwehr, ein Lachen bedeutet Freude. Doch so funktioniert es nicht. Körpersprache lässt sich nicht analytisch auslesen. Sie ist weder objektiv noch universal, sondern persönlich und subjektiv.

Was bei meinem Gegenüber ankommt, ist deshalb kein Echo, sondern Resonanz. Es ist gefärbt von den eigenen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Emotionen. Und diese Resonanz setzt immer ein, ob wir wollen oder nicht.

«Man kann nicht nicht kommunizieren»

Paul Watzlawicks bekanntes Axiom gilt hier ganz offensichtlich, und es ist für Coaching und Beratung hoch relevant. Wenn ich mein Gegenüber wahrnehme, bewusst oder unbewusst, spüre ich immer auch mein eigenes Erleben. Dieses Erleben beeinflusst wiederum, wie ich mein Gegenüber betrachte und wie ich mich selbst zeige.

Das gilt für alle Beteiligten: Die coachende Person beobachtet den Coachee, und der Coachee beobachtet die coachende Person. Resonanz erzeugt Resonanz.

Resonanz als Ressource

Diese Wechselwirkung lässt sich nutzen. Coaches können ihre eigene Resonanz auf das untersuchen, was sie beobachten, und dann entscheiden, was davon sie in welcher Form ins Gespräch einbringen. Zum Beispiel mit Fragen wie:

  • Wieso überrascht mich das Lachen meines Gegenübers in dieser Situation?
  • Wieso freue ich mich über die Energie, die mein Gegenüber jetzt zeigt?

Solche Fragen richten den Blick auf das, was zwischen den Beteiligten geschieht, und nicht nur auf das, was eine Person «hat» oder «ausdrückt».

Was KI nicht leisten kann

Hier liegt auch ein Grund, warum KI Coaches ergänzen, aber nicht ersetzen kann. KI erlebt nichts mit und bringt nichts Eigenes ein. Lebenserfahrung, Mitgefühl und Miterleben stehen ihr nicht zur Verfügung. Genau daraus entsteht jedoch Resonanz.

Präsenz und Sprache entwickeln

Für Coaches ist es deshalb notwendig und sinnvoll, die eigene Präsenz und Wahrnehmung zu schärfen und eine Sprache für das zu entwickeln, was sie beobachten und spüren.

Das Seminar «Embodied Beratung, Coaching & Leadership» mit Stephan Scherrer legt dafür die Grundlagen aus der Neurobiologie und der Body-Mind-Forschung.