Coaching verstehen: Denken, Wollen und Fühlen
Viele Menschen glauben, dass es im Coaching darum geht, über den Verstand Lösungen für Probleme zu finden. Die coachende Person, so die Vorstellung, stellt die «richtigen Fragen» und wendet die «passenden Methoden» an, sodass «die Lösung» für den Coachee sichtbar wird. Anders gesagt: Man denkt sich eine Lösung aus.
Das ist zunächst nachvollziehbar. Denn das rationale Durchdringen von Problemen gilt in unserer Gesellschaft als wirksamster Lösungsansatz. Doch wer schon einmal versucht hat, fünf Kilo abzunehmen, Kinder grossgezogen hat oder aktuelle politische Entwicklungen rational einzuordnen versucht, weiss, wie begrenzt unser Verstand mitunter ist.
Unser Denken wird massgeblich beeinflusst, zum Beispiel durch unseren Willen und durch unser Fühlen. Interessanterweise kommen viele Coachees mit Lösungsvorstellungen ins Coaching. Sie haben das Problem bereits analysiert:
- Die Führungskraft, die ins Coaching kommt, weil sie erschöpft und ausgelaugt ist, «weiss», dass sie besser delegieren, weniger arbeiten und klarere Grenzen setzen müsste.
- Die Fachperson kommt ins Coaching, weil sie «weiss», dass sie klarer sagen muss, was sie für die Umsetzung des Projekts braucht und was sie von anderen braucht.
Professionell zu coachen heisst auch, die vom Kunden angebotene Lösung nicht vorschnell zu übernehmen. Denn das, was Kunden als Lösung anbieten, dient mitunter dazu, unangenehme Gefühle zu vermeiden. Das ist häufig der Grund, warum sie bei einem Thema nicht weiterkommen.
Was tun Coaches damit?
Coaches erkunden gemeinsam mit ihren Klienten, welche Wünsche und Gefühle im Spiel sind. Das klingt einfacher, als es ist.
Für Kunden (und damit auch für Coaches) ist oft nicht klar erkennbar, was man wirklich möchte oder braucht:
- Zielsetzung hinterfragen
- Will man etwas, weil es einem eigenen Bedürfnis dient, oder um zu vermeiden, dass sichtbar wird, was man eigentlich möchte?
- Will man etwas aus eigenem Antrieb, oder weil man glaubt, den Erwartungen anderer gerecht werden zu müssen?
- Will man etwas, weil es dem eigenen Wohlbefinden dient, oder um tief verinnerlichte Glaubenssätze zu bedienen?
Es genügt daher nicht, Kunden zu fragen, was sie wirklich wollen. Coaching erfordert unter anderem:
Die drei tragenden Säulen einer systemischen Arbeit
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Empathie & Mitgefühl
Sich unvoreingenommen und ohne Wertung auf die Erlebens- und Gefühlswelt des Klienten einzulassen. -
Präsenz, Unerschrockenheit und Zuversicht
Um Klienten durch unbekanntes und unsicheres Terrain begleiten zu können. -
Bereitschaft, das Unbehagen zuzulassen
Unangenehme Gefühle nicht zu vermeiden, sondern zuzulassen und zu erkunden.
Das ist anspruchsvoll. Aber man kann das lernen — zum Beispiel bei uns: systemische-impulse.ch/angebot/coaching/
Warum Coaching nachhaltig ist
Der Unterschied zur rationalen Lösungsstrategie liegt in der Tiefe der Veränderung. Eine Lösung, die nur im Kopf konstruiert wird, scheitert oft, sobald Emotionen, Willenskraft oder systemische Widerstände ins Spiel kommen. Coaching legt den Fokus auf die Verbindung zwischen Wollen, Fühlen und Denken. Es geht darum, Bedürfnisse (eigene) zu verstehen, den Willen zu stärken, die Gefühle zu integrieren und das Denken gezielt als Werkzeug einzusetzen, nicht als Ersatz für das Wollen.
Ein Reflexionsimpuls
Frag dich selbst:
- Welche Aufgabe habe ich bereits analysiert, aber nicht wirklich angegangen?
- Welches Gefühl steckt dahinter? Und welches Bedürfnis?
- Wo könnte ich mutiger werden, um nicht nur zu wissen, was richtig ist, sondern auch zu wollen, was wirklich zu mir passt?