Konflikte regulieren (statt sie zu vermeiden)

Von Reto Kessler
Die meisten von uns mogen Konflikte nicht. Darum versuchen wir sie zu vermeiden. Das gelingt jedoch selten auf Dauer gut. Die bessere Strategie ist, sie regulieren zu können. Dazu braucht es zwei grundlegende Fähigkeiten.
Konflikte regulieren

Konflikte sind ja im Grunde eine feine Sache. Denn:

  • Wo ein Konflikt ist, gibt es ein Anliegen, das mindestens zwei Menschen wichtig ist. Wäre es einem von beiden egal, gäbe es keinen Konflikt. > Es gibt etwas zu tun, man wird gebraucht und kümmert sich gemeinsam um das Anliegen.
  • Man hat jemand, mit dem man sich austauschen kann. > Man ist also nicht mehr so alleine.
  • Es verändert sich etwas! Entweder wird eine bestehende Ordnung infrage gestellt und destabilisiert oder eine bestehende Undordnung wird neu geordnet. > Es tut sich also etwas. Langeweile ist unwahrscheinlich.
  • Man muss Position beziehen, damit der Konflikt weitergeht. > Das ermöglicht, die eigene Haltung und Argumentation mal wieder auf den Prüfstand zu stellen, auf den neuesten Stand zu bringen und zu testen.


Konflikte Vermeiden

Trotz dieser (und weiterer) Vorteile, mögen die meisten Menschen Konflikte nicht wirklich. Darum versuchen wir sie zu vermeiden. Das ist nachvollziehbar. Denn Konflikte kosten uns Zeit und Energie. Und viele Konflikte lassen sich nicht einfach zum Wohlgefallen aller Beteiligten auflösen. Der Ausgang ist meist ungewiss aber die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass jemand als Verlierer dasteht. Sich auf Konflikte einzulassen ist riskant.

Allerdings führt gerade das Vermeidenwollen von Konflikten mitunter zu Konflikten. Oder anders gesagt: Es ist erwartbar, dass wir permanent auf Konflikte stossen. Angesichts der Vielfalt an Erwatungen, Wünschen und Gefühlen, die verschiedene Menschen haben, ist es unwahrscheinlich, dass das immer glatt aufgeht, weder in der Paarbeziehung, noch in der Arbeit oder im Sportverein.

Konflikte vermeiden zu wollen, ist darum als Basisstrategie recht wenig erfolgversprechend. Die Alternative ist, produktiv mit Konflikten umgehen zu können. Doch was heisst hier produktiv? Unser Vorschlag: Nicht vermeiden, sondern regulieren, wenn sie auftreten.

Konflikte regulieren

Bei «regulieren» denkt man ja z. B. an eine Herdplatte, die man heisser oder weniger heiss aufdrehet. Das Bild passt gut auch für Konflikte: Für Konflikte heisst das, man muss sie beruhigen aber auch schüren können. Kalte Konflikte zum Beispiel, oder wenn die Gegenseite keine Kooperationsbereitschaft zeigt kann es sinnvoll sein, die eigenen Machtquellen mal deutlich sichtbar zu machen.

Das fällt uns nicht immer leicht. Meist tendieren wir zu einem Pol (beruhigen/schüren). Wer jedoch auf eine Seite festgelegt ist, kann einer Konfliktsituation u. U. nicht adäquat agieren. Darum ist es wichtig, Konfliktmuster erkennen und beschreiben zu können und sich die Freiheit zu erarbeiten, wählen zu können. 

Konflikte verstehen und beschreiben

Wie das geht, erfährst Du zum Beispiel in «Konflikte verstehen und regulieren» mit Adriana Burgstaller und Hansjürg Lusti.